Neurodermitis bei Kindern erkennen und behandeln

Trockene Haut und Ekzeme bei Kindern: Ursachen, Symptome und Pflegetipps für Eltern

06.05.2022
Lesedauer: 4 Min.
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Für Eltern ist es nur sehr schwer zu ertragen, wenn sich das eigene Kind aufgrund trockener Hautstellen und Ekzeme ständig kratzen muss. Neben dem unerträglichen Juckreiz belastet vor allem das Kratz-Verbot der Eltern die jüngsten Familienmitglieder. Die Kleinen verstehen noch gar nicht, was da eigentlich passiert. In diesem Szenario handelt es sich um die Hautkrankheit Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem). Sie zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen im Kindesalter. Etwa 13 % aller Kinder weltweit sind von Neurodermitis betroffen. Je jünger die Kinder sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Neurodermitis im Gesicht und am Kopf auftritt. Entwickelt sich die Hauterkrankung erst im späteren Kleinkindalter, sind vermehrt Arme, Beine, Kniekehlen, Ellenbeugen, Nacken und Hände betroffen. Bisher ist zwar noch keine Heilung bekannt, allerdings verschwindet Neurodermitis bei Kindern häufig, wenn sie heranwachsen und in die Pubertät kommen.

Was ist Neurodermitis?

Die atopische Dermatitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die sich durch trockene und schuppige Haut mit Rötungen und starkem Juckreiz äußert. Durch den chronischen Verlauf hält die Hauterkrankung über einen langen Zeitraum an – häufig umfasst Neurodermitis die gesamte Kindheit, bis sie oftmals mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter verschwindet oder aber auch leider in eine Allergie, Heuschnupfen , Asthma etc übergeht. Die Hauterkrankung tritt phasenweise in Erscheinung: Schubfreie Phasen ohne Symptome wechseln sich mit symptomatischen Akutphasen ab. Genauso wie die Ursache sind auch Schweregrad und Verlauf von Neurodermitis sehr individuell und vielschichtig.

Woran erkennt man Neurodermitis bei Kindern?

Je nach Alter äußert sich die atopische Dermatitis bei Kindern durch stark juckende Ekzeme und Rötungen an verschiedenen Hautstellen: Während Neurodermitis bei Babys. meist im Gesicht und am behaarten Teil des Kopfes auftritt (Milchschorf), haben Kleinkinder häufig Symptome im Nacken und an den Gelenkbeugen. Nicht selten weiten sich die juckenden Entzündungen aber auch auf andere Körperstellen wie Gesäß, Oberschenkel oder Fußrücken aus.

Neurodermitis-Ernährung-Kind Armbeuge kratzend

Warum sind gerade Babys und Kinder von Neurodermitis betroffen?

Die Haut von Neugeborenen und Säuglingen ist drei- bis fünfmal dünner als die Haut von Erwachsenen. Deshalb fehlt dem Nachwuchs der Schutz vor äußeren Reizen durch eine natürliche Hautbarriere. Außerdem sind die Talgdrüsen der Haut im Baby- und Kindesalter weniger aktiv und fetten die Haut entsprechend weniger. Die Hautfunktion ist noch nicht voll entfaltet, weshalb sie deutlich sensibler auf äußere Einflüsse reagiert als bei Erwachsenen. Eine veränderte Hygiene im Laufe der Zeiten hat ebenfalls dafür gesorgt, dass Babys und Kleinkinder deutlich öfter trockene Haut haben als früher. Es gibt aber auch Wege, wie man der Neurodermitis schon „von klein auf“ entgegenwirken kann - mehr erfährst du hier.

Juck-Kratz-Kreislauf

In der symptomatischen Akutphase dehnt sich das atopische Ekzem auf die gesamte Haut aus, was den Juckreiz unerträglich macht. Beherrschung ist kaum noch möglich und das Kind beginnt sich unweigerlich zu kratzen. Dieser mechanische Reiz von außen schädigt die ohnehin schon gestörte Hautbarriere zusätzlich und ist der perfekte Nährboden für Bakterien und Viren. Diese dringen in die geschädigte Haut ein, vermehren sich und sorgen für neue Infektionen, die wiederum Entzündungen fördern und erneuten Juckreiz auslösen. Der Juck-Kratz-Kreislauf beginnt von vorne. Stoppen lässt sich dieser Teufelskreis nur durch das Unterbinden des Kratzens und durch eine konsequente Behandlung mit lindernden Hautpflegeprodukten. Eine konsequente Hautpflege und effektive Basistherapie sind entscheidend, um einen Neurdermitis-Schub zu vermeiden.

Was sind die Ursachen von Neurodermitis bei Kindern?

Weder bei Erwachsenen noch bei Kindern ist die Quelle von Neurodermitis in Gänze geklärt. Wissenschaftlicher gehen aktuell von einer genetischen Veranlagung im Zusammenspiel mit einer Überempfindlichkeit der Haut gegenüber äußeren Einflüssen aus. Diese Überreaktion manifestiert sich als atopisches Ekzem mit juckendem Ausschlag und trockener Haut. Die Hauterkrankung kann durch bestimmte Reize wie Stress, Nahrungsmittel, Aufregung, Allergene, Heizungsluft, falsche Cremes oder unpassende Kleidung ausgelöst werden.

Potenzielle Schubauslöser von Neurodermitis bei Kindern

  • Häufiges Waschen und Haarewaschen
  • Allergene wie Tierhaare oder Hausstaubmilben 
  • Bestimmte Lebensmittel wie Weizen, Nüsse oder Milchprodukte
  • Irritierende Kleidung wie z. B. raue Wolle 
  • Trockene Heizungsluft oder schwüle Wärme 
  • Psychische Belastung wie Stress, Aufregung, Trauer

Was hilft gegen Neurodermitis bei Kindern?

Hat das Kind mit der atopischen Dermatitis zu kämpfen, sind Geduld und Aufmerksamkeit gefragt. Da Neurodermitis bei jedem Kind anders verläuft, sind auch die Therapien und Behandlungswege verschieden. Wichtig ist auf jeden Fall die Rücksprache mit einem Hautarzt: Einerseits wird er oder sie feststellen, ob es sich tatsächlich um Neurodermitis handelt und andererseits einen gut entwickelten Behandlungsplan aufstellen.

1. Rückfettende Pflegeprodukte

Die Haut sollte täglich und insbesondere nach dem Waschen (max. ein bis zweimal wöchentlich duschen oder baden) mit einer rückfettenden Pflegecreme versorgt werden. Da Kinderhaut mit einigen Inhalts- und Wirkstoffen nicht in Berührung kommen darf, müssen Eltern auf kinderfreundliche Produkte achten, die hypoallergen und frei von Duftstoffen sind. Machen Sie aus dem täglichen Eincremen ein spaßiges Ritual, damit Ihr Kind die tägliche Pflege mit etwas Positivem assoziiert. 

Unser Tipp: Nutzen Sie den Kühlschrank, denn gekühlte Salben, Cremes und Lotionen mildern den Juckreiz.

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2. Spezielle Bekleidung

Liegt die Kleidung direkt auf der Haut auf, empfiehlt es sich auf synthetische Stoffe und Wolle zu verzichten. Stattdessen sollte ein Kind mit Neurodermitis ausgewählte Kleidung aus Baumwolle, Leinen oder Seide tragen, die in der Wäsche gut durchgespült wurde. Vermeiden Sie Weichspüler beim Waschen.

3. Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel

Es kommt nicht selten vor, dass Kinder eine bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeit haben, welche die atopische Dermatitis auslöst und den Hautzustand verschlimmern kann. Der Verein für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) geht sogar davon aus, dass 20 % der akuten Schübe auf eine Reaktion auf Lebensmittel zurückzuführen sind. Deshalb empfiehlt es sich, das Kind mit Neurodermitis einem Allergietest auf Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnuss und Haselnuss zu unterziehen. Die häufigsten Allergene bei Kindern und welche Substanzen letztendlich allergieauslösend sind, kannst du hier nachlesen.

4. Hygienevorschriften im Haushalt 

Staub, Teppichböden, (textile) Tapeten, Wandteppiche, Tierhaare und Federn können ebenfalls Triggerfaktoren sein und die Neurodermitis bei Kindern auslösen. Wählen Sie daher Bettwäsche aus Baumwolle, die regelmäßig mit hypoallergenem Waschmittel ohne Weichspüler gewaschen wird. Achten Sie auf eine angemessene Raumtemperatur (max. 19 °C) und lüften Sie täglich.

Familienleben mit Neurodermitis beim Kind

Neurodermitis ist für jedes Kind eine Qual. Deshalb benötigen Kinder mit atopischer Dermatitis viel Verständnis und Zuwendung – gerade wenn sie sich nicht anders als durch Schreien und Unruhe auszudrücken wissen. Bringen Sie daher viel Geduld mit. Spätestens im Kindergarten- und Grundschulalter können auch Hänseleien für seelische Probleme sorgen. Dann ist der Zusammenhalt in der Familie besonders wichtig. Das gilt auch für gesunde Geschwisterkinder, die ebenfalls genug Aufmerksamkeit erhalten sollten. Neurodermitis bei Kindern darf nicht lebensbestimmend sein. Machen Sie Ihrem Nachwuchs klar, dass es noch viele andere Dinge gibt, die es auszeichnet.

Der Kampf gegen Neurodermitis bei Kindern*

Die chronisch entzündliche Hauterkrankung Neurodermitis muss weder das Leben Ihres Kindes noch Ihr eigenes bestimmen. Es gibt zwar keine Heilung, doch mit den richtigen Handlungsanweisungen und Hilfestellungen (wie z.B. einfache Rezeptideen von Ernährungsmedizinerin Dr. med. Anne Gürtler), einem Behandlungsplan vom Facharzt sowie passenden Hautpflegeprodukte lässt sich die atopische Dermatitis in den Griff bekommen – und verschwindet vielleicht sogar, wenn das Kind älter wird.

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