Wenn die Haut juckt… Neurodermitis bei Babys

Ursachen, Symptome und Pflegetipps bei Neurodermitis von Säuglingen

12.05.2022
Lesedauer: 4 Min.

Rötungen, trockene Haut und quälender Juckreiz: Wenn der Nachwuchs an der Hautkrankheit Neurodermitis leidet, wissen sich viele Eltern oftmals nicht zu helfen.

Baby mit Neurodermitis im Gesicht

Das Baby ist unruhig und schreit unentwegt. Die atopische Dermatitis, wie Neurodermitis auch genannt wird, tritt bei den jüngsten Familienmitgliedern sehr häufig auf – zwischen 10 % und 20 % aller Babys und Kleinkinder weltweit leiden an den Symptomen der Hautkrankheit. Erwachsene sind deutlich weniger betroffen. Das liegt auch daran, dass die Symptome der Neurodermitis bei Babys und Kindern mit dem Älterwerden nachlassen und beim Heranwachsen sogar oftmals ganz verschwinden. Doch gerade für Kinder und Babys ist Neurodermitis besonders schlimm, weil sie noch gar nicht verstehen, warum die Haut so sehr juckt – und sie nicht kratzen sollten.

Was genau ist Neurodermitis? 

Die atopische Dermatitis oder das atopische Ekzem beschreibt eine chronische, aber nicht ansteckende Hauterkrankung, die sich durch ganz charakteristische Symptome wie Rötungen, schuppige Haut, starker Juckreiz und trockene Ekzeme bei Babys äußert. Sie tritt häufig in den ersten Lebensjahren, meist ab dem dritten Lebensmonat auf – also im Säuglingsalter. Diese Altersspanne reicht laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) vom 29. Lebenstag bis zum vollendeten 12. Lebensmonat. Neugeborenen Neurodermitis vor der Vollendung des 28. Lebenstages ist hingegen eher selten. Wie bei Erwachsenen zeigt sich Neurodermitis bei Babys schubweise: Phasen ohne Symptome wechseln sich mit symptomatischen Akutphasen ab. Wann es zu welcher Phase kommt und wie lange diese anhält ist bei jedem Menschen höchst individuell und lässt sich nicht vorhersagen. 

Erste Anzeichen für Neurodermitis bei deinem Baby

Die umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnete stark juckende und nässende Krustenbildung auf der Kopfhaut und am Haaransatz stellt häufig den Anfang von Neurodermitis beim Baby dar. Gepaart mit entzündlichem Ausschlag und Hautrötungen betrifft das atopische Säuglingsekzem auch das Gesicht und im weiteren Verlauf Arm- und Kniebeugen. Bei akuten Schüben von Neurodermitis können sich die Symptome auf den gesamten Körper des Säuglings ausdehnen.

Typische Symptome für Neurodermitis beim Säugling

  • Krustiger Milchschorf am behaarten Babykopf
  • Nässende, verkrustete Hautpartien 
  • Stark juckende Ekzeme
  • Schuppige Haut 
  • Rötungen

Wichtiger Hinweis: Kläre stets beim Kinderarzt ab, ob es sich tatsächlich um Milchschorf handelt und nicht um den häufig vorkommenden Kopfgneis. Diese gelblich-bräunlichen und fettig wirkenden Schuppen auf der Kopfhaut begleiten viele Babys in den ersten Lebensmonaten, sind aber absolut harmlos und verschwinden in wenigen Monaten wieder. 

Was sind die Ursachen von Neurodermitis bei Babys? 

Als Quelle sieht die Forschung derzeit in erster Linie eine genetische Veranlagung. Sobald ein Elternteil unter Neurodermitis leidet, steigt das Risiko für das Kind um 40 % – und das Risiko ist sogar um 67 % höher, wenn beide Elternteile betroffen sind. Dadurch neigt die Haut zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber bestimmten äußeren Umwelteinflüssen, die eigentlich harmlos für den Körper und die Haut sind. Hier spricht man von sogenannten Triggern: 

Auslösende Trigger

  • Häufiges Waschen
  • Allergien gegen Pollen, Tierhaare oder Milben im Hausstaub 
  • Unverträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmitteln und Getränken z. B. Milchprodukte und Nüsse 
  • Bestimmte Wasch- und Reinigungsmittel 
  • Irritierende Kleidung aus Wolle oder Nylon 
  • Witterungsbedingungen 
  • Klimatische Faktoren wie trockene Heizungsluft oder schwüle Wärme 
  • Psychischer Stress

Warum sind Säuglinge besonders anfällig für Neurodermitis?

Die Haut von Neugeborenen und Säuglingen ist in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig ausgeprägt. Sie ist bis zu fünfmal dünner als die Haut von Erwachsenen und entsprechend anfällig für Reize von außen. Die natürliche Hautbarriere schützt noch nicht vollständig. Zusätzlich sind die Talgdrüsen von Säuglingen und Kleinkindern weniger aktiv und können die Haut noch nicht ausreichend selbst fetten, weshalb diese Funktion eine rückfettende Pflegecreme übernehmen sollte.

Neurodermitis bei Babys-Hautpflege-creme

Welche Art von Creme hilft bei Neurodermitis?

Zwar ist noch keine Heilung für die atopische Dermatitis bekannt, allerdings lassen sich die typischen Symptome wie Trockenheit, Juckreiz und Rötungen mit einer intensiven Hautpflege mildern und damit weitere Infektionsgefahren durch Aufkratzen reduzieren. Eine rückfettende und feuchtigkeitsspendende Neurodermitis-Baby-Creme hält die Haut deines Kindes geschmeidig und unterstützt die Schutzbarriere. Ob Lotion, Creme, Bade- oder Duschöl, die richtigen Inhaltsstoffe wie Omega-6-Fettsäuren, Panthenol, Glycerin oder Lipide können schubfreie Phasen verlängern. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung der Säugling-Creme bei Neurodermitis – auch in schubfreien Phasen. Eine konsequente Hautpflege ist für den richtigen Umgang mit Neurodermitis essenziell.

Kann Neurodermitis bei Babys durch Stillen vermieden werden? 

Da Neurodermitis bei Säuglingen zum großen Teil genetisch bedingt ist, lässt sich das atopische Ekzem allein durch das Stillen der Mutter nicht komplett vermeiden. Allerdings wird empfohlen, das Kind mindestens in den ersten vier Monaten voll zu stillen. Das senkt das Risiko für den Ausbruch des atopischen Ekzems nachweislich stark. Nach Vollendung des 4. Lebensmonats kann Beikost aus Gründen des steigenden Nährstoffbedarfs zugeführt werden. Wichtig ist auch, dass sich stillende Mütter ausgewogen, vor allem mit viel Fisch, ernähren. Das kann der Neurodermitis beim Kind vorbeugen. Zu einfachen Rezeptideen von Ernährungsmedizinerin Dr. Anne Gürtler geht’s hier!

Neurodermitis Babs - stillende Mutter

Welche Ernährung wird für Babys mit Neurodermitis empfohlen?

Kann generell nicht gestillt werden, sollte kommerziell erhältlicher Milchersatz verwendet werden. Anders als oft angenommen, sollten „kritische“ Nahrungsmittel nicht gemieden werden, eine frühzeitiges „In-Kontakt-Kommen“ ist sogar wichtig – außer es besteht eine nachgewiesene Nahrungsmittelallergie! Dann sollte die Ernährung hypoallergen sein. Wenn „nur“ eine Sensibilisierung vorliegt, können die entsprechenden Nahrungsmittel trotzdem vertragen werden. Mehr Hintergründe und welche Allergene bei Kindern am häufigsten sind, erfährst du hier.

Welche Kleidung hilft bei Neurodermitis? 

Bodys, Strumpfhosen, Unterwäsche, Socken, T-Shirts und Hosen liegen direkt auf der Haut deines Babys auf. Achte deshalb unbedingt auf allergiker- und hautfreundliche sowie weite Bekleidung aus Baumwolle oder Leinen und vermeide hautreizende Stoffe wie Wolle, die zu Irritationen führen können. Wasche neue Kleidung vor dem ersten Tragen am besten mehrfach mit hypoallergenem Waschmittel und verzichte auf Weichspüler.

Leben mit Neurodermitis beim Baby meistern   

Gerade für Babys und Kleinkinder ist Neurodermitis eine echte Qual, weil sie starken Juckreiz verspüren und nicht verstehen, warum sie nicht kratzen dürfen. Das bedeutet für dich als Elternteil, dass du viel Verständnis, Geduld und Zuwendung aufbringen müssen. Darüber hinaus helfen spezielle Pflegeprodukte und Therapien, die Neurodermitis beim Baby zu bekämpfen – und mit etwas Glück verschwinden die Symptome, sobald das Kind älter wird.

Profil Dr. med. Anne Gürtler

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