Neurodermitis-Behandlung: So gehst du sie erfolgreich an

Mach dich mit diesem Know-how und ärztlicher Hilfe auf den Weg aus der Juckreiz-Spirale

02.07.2021
Lesedauer: 4 Min.

Eine Neurodermitis-Behandlung ist für viele Betroffene mit großen Hoffnungen verknüpft. Denn wie du vielleicht aus eigener Erfahrung weißt: Die Hauterkrankung Neurodermitis, die auch atopische Dermatitis genannt wird, kann quälend sein. Das liegt vor allem am starken Juckreiz. Kratzen verschafft dir vielleicht kurzzeitig das Gefühl der Erleichterung. Doch deine Haut nimmt Schaden, und mit ihrem veränderten Aussehen vielleicht auch deine Seele. Darum ist medizinische und bei Bedarf auch psychologische Hilfe bei Neurodermitis so wichtig. Schon jetzt, während du diesen Text liest, bist du mit deiner Erkrankung nicht mehr allein. Es gibt so viel, was du gegen deine Symptome unternehmen kannst! Wir zeigen dir auf, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du deine Haut mit der richtigen Pflege stabilisieren kannst. Starte jetzt, auf dass du dich schon bald viel wohler in deiner Haut fühlst!

Frau mit Neurodermitis

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Was du mit der richtigen Neurodermitis-Behandlung erreichen kannst

Bevor wir uns der Behandlung von Neurodermitis zuwenden, schauen wir uns einmal die Ursachen deiner Erkrankung an. Noch sind diese nicht vollständig erforscht. Die Wissenschaft ist hier gefragt, noch mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Fest steht jedoch, dass dir die Überempfindlichkeit und Anfälligkeit deiner Haut vererbt wurde – dein Immunsystem neigt dazu, auf eigentlich harmlose Stoffe zu reagieren.

Noch dazu ist deine Haut trocken, weil der Aufbau der Hornhaut vereinfacht gesagt fehlerhaft ist. Auch die Hautflora setzt sich in der Regel anders als bei Gesunden zusammen, Fehlbesiedlung nennt sich das. Doch allein diese Faktoren lösen die Hautveränderungen und den Juckreiz noch nicht aus. Erst wenn die sogenannten Trigger dazukommen, führt das zu den typischen Symptomen wie Bläschen, Rötungen, Schuppen, Krusten, raue und trockene Haut sowie Juckreiz.

Grafik mit Tipps zur Verlängerung der Zeit ohne Neurodermitis-Beschwerden

Diese 3 Trigger-Gruppen lösen häufig einen Schub aus:

  • Allergene wie Tierhaare, Nahrungsmittel, Zusätze in Kosmetika
  • Umweltreize wie Temperaturschwankungen und Luftverschmutzung
  • Stress, Krisen und belastende Situationen

Chronischer Verlauf trotz Neurodermitis-Behandlung

Die chronische Erkrankung verläuft in Schüben, das heißt: Nahezu symptomfreie Zeiten und akute Stadien wechseln sich ab. Die gezielte Neurodermitis-Behandlung hilft dir, akute Symptome zu lindern. Noch dazu kann sie deine beschwerdefreien Intervalle verlängern. Heilbar ist Neurodermitis nicht. Doch du kannst ein gutes Leben mit deiner Erkrankung führen. Dabei hilft dir eine konsequente Hautpflege und ein achtsamer Lebensstil in jedem Neurodermitis-Stadium.

Welche Neurodermitis-Behandlungen gibt es?

Wenn du deine Diagnose bereits kennst und weißt, wie sich deine Hautveränderungen ankündigen, registrierst du womöglich, dass ein Schub kurz bevorsteht. Suche dann zeitnah ärztlichen Rat – je früher die Neurodermitis-Behandlung einsetzt, desto effektiver lässt sich ein akuter Schub bzw. die Entzündung mit all ihren Folgen eindämmen. 
Hast du noch keinen ärztlichen Rat gesucht? Bitte hole das schnellstmöglich nach – nur Fachleute können Neurodermitis von anderen Erkrankungen abgrenzen und richtig behandeln.

Hier findest du eine Übersicht über die gängige Stufentherapie je nach Stadium

1. Trockene, aber beschwerdefreie Haut 

Die Basispflege ist Grundlage jeder Neurodermitis-Behandlung. Du solltest sie konsequent in deinen täglichen Ablauf integrieren – sowohl in beschwerdefreien Phasen als auch ergänzend zu ärztlich verschriebenen Produkten, wenn die Erkrankung akut ist. Creme dich zweimal täglich mit einer lipidhaltigen Feuchtigkeitscreme (Emolliens) ohne Zusätze und mögliche Allergene ein. Harnstoff und Glycerin dürfen enthalten sein, wenn du sie gut verträgst. Deine Pflegecreme versorgt deine trockene Haut mit Feuchtigkeit und hilft ihr, ihre Schutzfunktion so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Weitere Pflegetipps und Hilfe bei Neurodermitis:

  • Dusche lieber kurz statt zu baden – am besten lauwarm mit rückfettenden Duschölen.
  • Greife für eine schonendere Handhygiene zwischendurch zu alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln statt die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.
  • Verwende bei Neurodermitis-Neigung generell Make-up und Reinigungsprodukte, die hypoallergen sind.

2. Neurodermitis-Behandlung bei leichten Ekzemen

Antientzündliche Maßnahmen sind der wichtigste Hebel, um den Schub auszubremsen. Zunächst gilt es, die Entzündung zu unterdrücken. Häufig kommen zu diesem Zweck bei leichter Neurodermitis niedrig dosierte cortisonhaltige Cremes und Salben zum Einsatz. Allerdings sollten sie wegen ihrer hautverdünnenden Wirkung nur kurzfristig (und im Gesicht möglichst gar nicht) verwendet werden. Als Alternative oder Ergänzung eignen sich auch sogenannte Calcineurin-Inhibitoren (ab einem Alter von zwei Jahren). Zusätzlich können antiseptische oder juckreizlindernde Anwendungen sowie eine UV-Therapie bei Erwachsenen die Therapie bei einem leichten Ekzem ergänzen.

Mann cremt Neurodermitis am Arm ein

3. Gemäßigte Neurodermitis mit zeitweise schwer ausgeprägten Ekzemen

Cortisonhaltige Arzneien werden bei schweren Symptomen möglicherweise höher dosiert eingesetzt. Auch in diesem Stadium kommen Calcineurin-Inhibitoren zum Einsatz. Die UV-Therapie hat sich auch bei gemäßigter Neurodermitis mit vereinzelt stärker auftretenden Symptomen bewährt.

4. Neurodermitis-Behandlung bei dauerhaft schweren Symptomen

Zusätzlich zu allen Maßnahmen der vorherigen Stufen kommt bei schwerer Neurodermitis die Behandlung mit einer systemischen Therapie in Frage. Etwa 10 Prozent der Neurodermitis-Patient:innen erhalten diese Behandlungsform, die auf den ganzen Organismus wirkt. Dabei gelangen die Medikamente in Tablettenform oder per Injektionen in den Körper. Sie unterdrücken beispielsweise das Immunsystem und damit auch das Entzündungsgeschehen. Biologika hemmen die Wirkung von Botenstoffen, um die dauerhafte Entzündungen zu unterbinden.

Tipps, wie du deine beschwerdefreien Intervalle verlängern kannst

  • Pflege deine Haut konsequent. Die Versorgung mit Emollienzien zwei Mal täglich stabilisiert deine Hautbarriere. So kann die Haut dich vor Krankheitserregern und Keimen schützen – und bleibt von Hautveränderungen, die ein Schub mit sich bringt, länger verschont. Viele Patient:innen kommen nach ärztlicher Absprache mit einer geringeren Menge an cortisonhaltigen Medikamenten aus. 
  • Meide mögliche Triggerfaktoren. Hier ist deine Beobachtungsgabe gefragt. Zwar geben auch Bluttests Aufschluss über mögliche Unverträglichkeiten, doch entscheidend ist, welche Signale dir dein Körper schickt. Nicht jede Sensibilität lässt sich diagnostizieren: Achte also darauf, welche Umweltreize oder inneren Zustände Schübe bei dir begünstigen.
  • Finde Alternativen zum Kratzen. Aufhören zu kratzen, ist vielleicht das wichtigste Mittel gegen Neurodermitis oder zumindest gegen eine Verschlechterung des Hautzustandes, das du noch dazu selbst in der Hand hast. Denn wenn du kratzt, können Keime durch die geschädigte Haut eindringen und den Juckreiz noch verstärken. Knete, klopfe oder streichle deine Haut. Oder kratze ein Ersatzobjekt – so lässt sich möglicherweise dein Gehirn austricksen. Kühlkompressen können ebenfalls lindernd wirken. 
  • Umgib dich mit weichen natürlichen Stoffen. Wolle und synthetische Stoffe können deine Haut reizen. Baumwolle hingegen ist hautfreundlich und weich, wenn sie dünn gewebt ist. Kleidungsstücke, die du direkt auf der Haut trägst, sollten möglichst nahtlos verarbeitet sein, damit sie nicht reiben. 
  • Iss so vitalstoffreich und natürlich wie möglich. Verzichte, wann immer es möglich ist, auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin. Beides verschlechtert die Durchblutung deiner Haut. Wenn du auf Lebensmittel allergisch zu reagieren scheinst, ersetze sie eine Zeitlang und führe sie dann vorsichtig wieder ein. Auch mit ärztlichen Testverfahren kannst du deine Unverträglichkeiten unter die Lupe nehmen.
  • Verbanne Dauerstress aus deinem Leben. Auf manche Faktoren hast du vielleicht weniger oder nicht sofort Einfluss (später mehr dazu) – aber auf deinen Umgang damit. Erlerne Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Verändere deine Haltung zu Personen und Situationen, die dich stressen.

Lass Kosmetika und Waschmittel mit Zusätzen links liegen. Auch wenn die Werbung dir beispielsweise durch Duftstoffe einen Lifestyle-Gewinn verspricht – deine Lebensqualität steigt für dich als Neurodermitis-Patient:in eher, wenn du solche Zusatzstoffe umgehst. Dabei sind Sensitiv-Seifen und -Waschmittel auch nicht viel mehr als ein halbseidenes Versprechen an deine Haut: Der Begriff ist nicht geschützt. Teste daher, welche Produkte du tatsächlich gut verträgst.

Grafik mit Tipps zur Verlängerung der Zeit ohne Neurodermitis-Beschwerden

Bedeutung der Psyche für deine Neurodermitis-Behandlung

Als eine der Ursachen für die Hauterkrankung Neurodermitis, die Experten in die Nähe von Autoimmunkrankheiten rücken, gilt Stress. Fragst du dich, wieso? Ganz einfach: Stress versetzt deinen Körper in einen Alarmzustand, der früher beispielsweise bei der Mammutjagd hilfreich war. Dein Nerven-, Hormon- und Immunsystem reagiert sofort, damit du fluchtbereit bist. Die Hormone setzen dabei jedoch einen Entzündungsprozess in Gang. Handelt es sich um eine kurze Interaktion, beruhigen sich die Hormone wieder. Doch bei anhaltendem Stress wird der hormonelle Gegenspieler nicht mehr ausreichend aktiviert – die Entzündungen herrschen dauerhaft im Körper vor. Auch anderen Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper eigenes Gewebe angreift, ist auf diese Art der Weg geebnet.

Wenn du dich von den Erwartungen anderer schlecht abgrenzen kannst, du ständig gestresst oder emotional angespannt bist, dann können diese inneren Konflikte immer wieder Schübe anfeuern. 

Viele Neurodermitis-Patient:innen leiden umgekehrt auch unter den psychischen Folgen ihrer Hauterkrankung. Gehörst du auch dazu? Finde es heraus: 

  • Fühlst du dich deiner Erkrankung und den Schüben hilflos ausgeliefert?
  • Erlebst du soziale Ausgrenzung oder ziehst dich selbst zurück?
  • Machst du dir Vorwürfe, weil du dich kratzt, obwohl du es lieber lassen würdest?
  • Hast du immer mal wieder oder sogar dauerhaft mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen?
  • Fühlst du dich mit bestimmten Ängsten konfrontiert?

Für den Erfolg deiner Neurodermitis-Behandlung ist ein stabiles Seelenleben wichtig. Wenn du die obigen Fragen teilweise oder vollständig mit einem Ja beantwortet hast, kann therapeutische Hilfe eine wichtige Unterstützung für dich sein.

Fazit: Wähle für deine Neurodermitis-Behandlung einen ganzheitlichen Ansatz

Die Neigung, Neurodermitis zu entwickeln, ist dir in die Wiege gelegt worden. Die Erkrankung muss jedoch nicht ausbrechen bzw. keine schweren Ausprägungen zeigen: Pflege deine Haut gewissenhaft und vermeide Stress ebenso wie andere Trigger. Hast du bereits Symptome? Verurteile dich nicht selbst, wenn du dich mal wieder gekratzt hast. Sei gut zu dir und bleibe achtsam mit deinen Ressourcen! Denn nicht zu unterschätzen für die erfolgreiche Neurodermitis-Behandlung sind die psychologischen Faktoren. Mit ärztlichem Rat und Medikamenten, die auf dein Stadium abgestimmt sind, kannst du die Symptome zusätzlich gut in Schach halten.

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