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Neurodermitis: Allergie als Auslöser

Warum deine Haut auf Fremdstoffe reagiert

28.06.2022
Lesedauer: 4 Min.

Was hat Neurodermitis mit Allergien zu tun? Wenn du unter der chronischen Hauterkrankung leidest und deine Haut in Aufruhr ist, können Allergene für deine Symptome verantwortlich sein. Harmlose alltägliche Stoffe rufen bei Neurodermitis-Betroffenen nämlich häufig Entzündungsreaktionen der Haut hervor. Und damit auch den quälenden Juckreiz. Kennst du deine persönlichen Trigger? Wo auch immer du mit deinen Fragen zum Thema „Neurodermitis Allergie“ stehst, holen wir dich mit Informationen für ein Leben mit Neurodermitis und Tipps zur Linderung deiner Beschwerden ab.

Hauterkrankung Neurodermitis: Allergien sind mögliche Auslöser

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die schubweise verläuft und nicht heilbar ist. Dass Neurodermitis und Allergien potenziell miteinander zu tun haben, verrät schon der medizinische Fachbegriff „atopische, also allergische Dermatitis“ für deine Hautkrankheit. Der Ausdruck „atopisch“ beschreibt die genetisch bedingte Überempfindlichkeit deiner Haut. Da haben wir es also schon: Allergien sind mögliche Auslöser für Neurodermitis. Sie verursachen eine starke Reaktion deines Immunsystems auf Stoffe, die doch eigentlich gar keine Gefahr für den Körper darstellen. Im Detail ist das wissenschaftlich noch nicht geklärt, wieso es zur Rebellion der Haut kommt. Das Immunsystem ist im keimreduzierten Alltag sozusagen arbeitssuchend und geht auf neue Feinde los, die gar keine sind. Was genau macht deine Haut aber so empfänglich für den nächsten Neurodermitisschub? Die auslösenden Trigger unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Den Einflüssen auf deine Haut auf die Spur zu kommen, hilft dir, deine Hauterkrankung besser zu verstehen und Schübe möglicherweise hinauszuzögern.

3 Tatsachen über Neurodermitis und Allergien, die du kennen solltest

  1. Die Veranlagung zu Neurodermitis und Allergien ist dir bereits in die Wiege gelegt, also genetisch bedingt.
  2. Deine Haut trocknet schneller aus als gewöhnlich. Dahinter steckt der Mangel eines bestimmten Eiweißes. Durch ihn ist der Aufbau der Hornschicht gestört – und damit auch deine Hautbarriere. Deine Haut sieht rissig aus, die Handflächen sind durch viele Linien gezeichnet.
  3. Der natürliche Mix aus Keimen deiner Haut ist nicht in Balance. So können Krankheitserreger oder Allergene leichter eindringen.

Was geht während eines Neurodermitis-Schubs in deinem Körper vor?

Wird Neurodermitis durch Allergie-Auslöser oder andere Umweltreize getriggert, produziert dein Körper ein Übermaß an Immunglobulin E (IgE).Die Mastzellen in der Haut schütten Histamine aus – diese Botenstoffe verursachen den quälenden Juckreiz und verstärken die Entzündung. Die Histamine schwächen die Schutzbarriere der Haut weiter, weil die Haut zu wenig Talg produziert. So können auch Keime leichter eindringen. Die führen wiederum zu Entzündungen.Diese zeigen sich als juckende Ekzeme. So nennt sich der rötliche schuppige und häufig auch verdickte Hautausschlag.

Tipp: Wenn du dich fragst, ob eine Histaminintoleranz Neurodermitis verursachen kann, lautet die beruhigende Antwort nein. Baut dein Körper aufgrund dieser Intoleranz den Botenstoff Histamin nicht ausreichend ab, kann der Überschuss die Reaktionen jedoch weiter anfeuern. Achte in diesem Fall darauf, nicht zu viele histaminhaltige Nahrungsmittel wie reifen Käse oder Salami zu dir zu nehmen.

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Welche „Neurodermitis-Allergie“ ist als Auslöser bekannt?

Die meisten Neurodermitis-Patient:innen neigen zu Allergien. Die „Neurodermitis-Allergie“ als solche gibt es aber nicht. Wohl aber typische Stoffe, die das Immunsystem Betroffener in Alarmbereitschaft versetzen können und den Ausnahmezustand deiner Haut auslösen. Ein Allergietest kann dir Aufschluss darüber geben, welche Stoffe du meiden solltest. Beachte aber, dass bei Neurodermitis Allergietests und andere Untersuchungsmethoden nur Hinweise auf Unverträglichkeiten und reizende Stoffe liefern und als Momentaufnahme zu verstehen sind. Wie dein Körperauf bestimmte Stoffe reagiert, kann sich im Laufe der Jahre immer mal wieder ändern. Beobachte deine Haut genau. Ein Symptomtagebuch kann dir dabei helfen, die Auslöser für eine Verschlechterung deines Hautzustandes zu erkennen. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. bietet ein Muster zum Ausdrucken an. Oder du lädst dir die Nia-App der Berliner-Charity auf dein Handy.

Verbreitete Allergene sind:

  • Pollen (häufig besteht eine Kreuzallergie mit Lebensmitteln)
  • Nahrungsmittel wie Eier, Milch, Nüsse, Fisch
  • Milcheiweiß
  • Hausstaubmilben

Wie du Neurodermitis-Allergie-Auslöser erkennst – und meidest

1) Pollenallergie

Selbst wenn du nicht unter den typischen Heuschnupfensymptomen leidest, kann hinter dem Schub der Neurodermitis die Pollenallergie als Übeltäter stecken. Verschlechtert sich dein Hautzustand also in der typischen Pollenflugzeit, solltest du auch diese mögliche Ursache in Betracht ziehen und mit einem Allergietest auf Spurensuche gehen.

Was du gegen Neurodermitis durch Pollenallergie tun kannst:

Zeigt sich Neurodermitis als einziges Symptom der Pollenallergie, können dir antiallergische Arzneien leider kaum Linderung verschaffen. Trage langärmelige Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt, um sie von den Neurodermitisauslösern abzuschirmen. Dusche abends kurz und lauwarm, um die Pollen abzuspülen und lege deine getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab.

2) Hundeallergie

Möglicher Auslöser oder Verstärker der Neurodermitis: die Hundeallergie. Verbreitet ist die Annahme, dass es sich um eine Allergie gegen Tierhaare handelt. Doch damit räumt der Deutsche Allergie- und Asthmabund auf: Stattdessen sind es die Eiweißbestandteile des Hundespeichels, die dein Immunsystem als Trigger zu einer Reaktion verleiten. Sie landen durch die Fellpflege mit der Zunge auch in die Haare. Zwar unterscheiden sich die Allergenpotenziale der Rassen, allergenfreie Züchtungen gibt es jedoch nicht.

Was du gegen Neurodermitis durch Hundeallergie tun kannst:

Die zuverlässigste Maßnahme gegen Neurodermitis durch Hundeallergie klingt in den Ohren von Tierbesitzer:innen nach einem Alptraum: Das Allergen muss gemieden werden. Doch das eigene Tier abzugeben, kommt für viele erst in Frage, wenn der Leidensdruck hoch und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Verbanne dein Tier und deine mit Tierhaaren belastete Kleidung im ersten Schritt konsequent aus dem Schlafzimmer, reinige die Wohnung häufig und die Luft mit einem Gerät. 

3) Nahrungsmittelunverträglichkeit

Bei Erwachsenen spielen Nahrungsunverträglichkeiten eine eher untergeordnete Rolle. Häufiger lösen sie bei Kindern Neurodermitisschübe aus, doch nur etwa ein Drittel der kleinen Patient:innen mit mäßigem bis schwerer Ausprägung hat eine nachgewiesene Nahrungsmittelallergie. Insgesamt wird der Einfluss der Ernährung auf Neurodermitis/Allergie häufig überschätzt. Entscheidender für den Hautzustand ist in vielen Fällen, wie konsequent du deine Haut oder die deines Kindes pflegst. 

Was du gegen Neurodermitis durch Nahrungsunverträglichkeiten tun kannst:

Bedenke, dass du dir oder deinem Kind niemals in Eigenregie ein Nahrungsmittel vorenthalten solltest. Streiche bestimmte Allergene nur dann vom Speisezettel, wenn eine bestätigte Allergie besteht. Nicht immer lässt sich diese Art „Neurodermitis-Allergie“ jedoch per Bluttest nachweisen. Manchmal handelt es sich um eine Sensitivität. Beobachte deine Hautreaktionen oder die deines Kindes genau. Wenn du einen Zusammenhang mit einem Nahrungsmittel vermutest, solltest du mit erfahrenen Allergolog:innen und Dermatolog:innen darüber sprechen.

4) Hausstauballergie

Die allergische Dermatitis wird häufig durch eine Hausstauballergie getriggert. Offenbar spielt dabei ein Molekül eine Rolle, das von den winzigen Spinnentierchen gebildet wird. Ist die Hausstauballergie Neurodermitis-Auslöser, stellst du vielleicht zu Beginn der Heizperiode eine Verschlimmerung der Symptome fest. Dann nämlich sterben Milben vermehrt ab und setzen dabei Allergene frei.

Wie du bei Hausstauballergie Neurodermitis lindern kannst:

Die Neurodermitis-Allergie-Auslöser solltest du so effektiv wie möglich reduzieren. Milben fühlen sich in Bettwäsche, Stoffen und Textilien besonders wohl. Greife für dein Bettzeug zu speziellen Encasings, die milbenfrei bleiben. Wasche deine Bettwäsche bei 60 Grad. Wohntextilien, die keine heiße Wäsche vertragen, kannst du vor dem Schonwaschgang für 24 Stunden ins Gefrierfach stecken. Das gilt auch für Kuscheltiere.

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Wie verläuft eine Neurodermitis mit Allergie?

Deine Hauterkrankung unterteilt sich in verschiedene Stadien. Du erkennst am Aussehen deiner Haut sehr gut, in welcher Phase sie sich gerade befindet. Wenn dir gerade starker Juckreiz zu schaffen macht und dich die geröteten und offenen Stellen deiner Haut verzweifeln lassen, sei beruhigt: Neurodermitis verläuft in Schüben. Die Chancen stehen gut, dass dein quälender Hautausschlag mit einer geeigneten Therapie und täglicher Pflege bald wieder abklingt. 

4 Tipps – das hilft gegen Neurodermitis/Allergie


Du kannst selbst aktiv werden, damit es deiner Haut schnell besser geht. Mit diesen vier Tipps trägst du außerdem dazu bei, dass die nächste Welle Neurodermitis durch Allergie oder andere Reize dich möglichst lange verschont.

  1. Die Basispflege: Versorge deine Haut in jedem Stadium zweimal täglich mit einer feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Creme oder reizende Zusätze. Auch während der ärztlichen Behandlung! Achte dabei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse deiner Haut in der jeweiligen  Jahreszeit: Im Sommer braucht deine Haut möglicherweise eine leichtere Lotion, im Winter versorgt ein nährender Balsam deine trockene Haut optimal.
  2. Nicht kratzen: Streichle lieber gegen den Juckreiz an, schnapp dir eine Kühlkompresse oder kneife ins Kissen – Hauptsache, du lenkst den Kratzdruck um. Denn sobald du deine Fingernägel einsetzt, verstärkst du den Juckreiz noch und leitest Erreger in die Haut. Diese Juck-Kratz-Spirale kennt nur eine Richtung: abwärts.
  3. Achtsamkeit: Meide Trigger der Neurodermitis, Allergien sind dabei nur ein möglicher Einflussfaktor von vielen. Halte dich fern von kratzigen Wollpullovern, vermeide Stress und Temperaturschwankungen. Sei freundlich zu deiner Haut – dusche und bade daher so kurz wie möglich, nur lauwarm und mit rückfettenden Produkten. Ein Meersalz-Bad tut deiner Haut gut, wenn du keine offenen Stellen hast.
  4. UV-Schutz: Bewahre deine erkrankte Haut vor schädlichen UV-Strahlen – mit reichhaltiger mineralischer Sonnenmilch ohne Duft- und Zusatzstoffe. Wählst du eine Sonnencreme mit organischem Filter, achte darauf, dass diese für Atopiker:innen wie dich geeignet ist. Mit geeignetem Sonnenschutz beugst du bei Neurodermitis Sonnenallergie vor.
  5. Ärztlicher Rat: Lass dich auf dem Weg, das komplexe Krankheitsbild Neurodermitis/Allergie in den Griff zu bekommen, unbedingt ärztlich begleiten.

Fazit: Neurodermitis und Allergie zu verstehen, hilft dir, Symptome zu lindern

Die meisten Neurodermitis-Patient:innen neigen zu Allergien. Welche Stoffe die Haut reizen, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Du weißt jetzt, wie du deinen potenziellen Triggern auf die Spur kommst – und kannst deiner Haut helfen, möglichst schnell wieder ins Gleichgewicht zu gelangen.

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