Neurodermitis vs. Schuppenflechte

Unterschiedliche Ursachen – doch die richtige Pflege ist bei beiden Hautproblemen essenziell

30.09.2021
Lesedauer: 4 Min.

Wenn du bemerkst, dass sich deine Haut verändert, sie sich juckt und schuppt, bist du damit nicht allein. Wie viele andere Betroffene stehst du womöglich vor der Frage: Welche Erkrankung steckt eigentlich hinter diesen Symptomen? Neurodermitis und Schuppenflechte machen sich durch ähnliche Anzeichen bemerkbar. Doch es ist wichtig, die richtige Diagnose zu kennen: Die Ursachen unterscheiden sich nämlich. Bei der Pflege gibt es allerdings einige Gemeinsamkeiten – lass sie uns gemeinsam entdecken. Hier kannst du als ersten Schritt einordnen, welche Erkrankung es bei dir sein könnte und wie du deine Beschwerden gut in den Griff bekommst. Handle dabei aber nur ergänzend zur medizinischen Behandlung und stimme dich vorher mit deiner:m Dermatolog:in ab.

Person hält sich unangenehm juckende Hautpartie z.B. Arm

Wie unterscheiden sich Neurodermitis und Schuppenflechte?

Wenn du unter Neurodermitis leidest, hast du nicht nur die Voraussetzungen für eine trockene empfindliche Haut geerbt, sondern auch die Neigung zu Allergien, Heuschnupfen und Asthma.  Durch Fehler in Aufbauplan der Haut ist ihre Schutzbarriere gestört. Ein überschießendes Immunsystem ist für die entzündlichen Veränderungen deiner Haut verantwortlich – die übrigens auch dann nachweisbar ist, wenn du sie gar nicht siehst. 

Schuppenflechte (Psoriasis, wie Mediziner:innen sagen würden) zählt hingegen nicht zu diesem Kreis der Erkrankungen mit allergischem Hintergrund. Es ist eine Autoimmunerkrankung. Als Reaktion auf bestimmte Trigger entzünden sich die Hautzellen und teilen sich daraufhin übermäßig schnell. Bei den Schuppen an der Hautoberfläche handelt es sich um unreife Hautzellen. Jeder dritte bis vierte Betroffene beobachtet rheumatische Gelenkschwellungen – dein Risiko dafür ist übrigens erhöht, wenn die Kopfhaut oder Fingernägel betroffen sind. Stellst du fest, dass deine Gelenke verändert aussehen, ist schnelle ärztliche Hilfe gefragt. Die Entzündung kann sich ansonsten ausbreiten und chronisch werden.

Was sind die Gemeinsamkeiten von Schuppenflechte und Neurodermitis?

Bei Neurodermitis und Schuppenflechte juckt deine Haut, auch schuppige Stellen sind typisch. Beide Hauterkrankungen verlaufen in Schüben: Akute Stadien und Ruhepausen wechseln sich ab. Für beide Hautkrankheiten ist eine erbliche Komponente verantwortlich. Ist mindestens ein Elternteil von einer der beiden Erkrankungen betroffen, kann das für dich ein wichtiger Hinweis sein, welche dein Hautbild wörtlich auf den Kopf stellt. Dein:e Dermatolog:in bestimmt häufig per Blickdiagnose, was hinter deinen Hautveränderungen steckt. Vielleicht benötigt er auch eine Gewebeprobe.

Manche Trigger für Neurodermitis und Schuppenflechte sind gleich:

  • Infekte
  • Allergene
  • Stress
  • Klimaveränderungen
  • Mechanische Reize

Gut zu wissen: Bei Schuppenflechte können auch Medikamente, hormonelle Veränderungen, Übergewicht und Alkoholkonsum die Hautveränderungen triggern.

Nahaufnahme Schuppenflechte vs Neurodermitis

Überblick Symptome Neurodermitis und Psoriasis:

1
Neurodermitis

Hauptsymptome:

  • trockene Haut
  • gerötete Stellen
  • starker Juckreiz

Weitere mögliche Symptome: 

  • Unterlidfalte
  • ausgedünnte Augenbrauen
  • psychische Belastungen

Typische Hautstellen: 

  • Babys: Kopfhaut (Milchschorf) Wangenekzeme, ganzer Körper
  • Kleinkind: Streckseiten von Armen und Beinen
  • Kinder und Erwachsene: Arm- und Kniebeugen, Gesicht, Kopf 

Beginn der Erkrankung:

  • Häufig bereits im Kindesalter
2
Schuppenflechte

Hauptsymptome:

  • Juckreiz
  • stark gerötete Haut
  • weißlich-silbrige Schuppen, die sich abheben lassen

Weitere mögliche Symptome:

  • Schwellungen der Gelenke
  • Beteiligung der Organe (aufgrund einer Entzündung der Blutwandgefäße)
  • Veränderungen an den Fingernägeln
  • Depression (mehr als jeder Vierte)

Typische Hautstellen:

  • Streckseiten der Arme und Beine
  • Kopfhaut
  • ganzer Körper

Beginn der Erkrankung:

  • Meist in der zweiten Hälfte der Pubertät oder später

Wie du deiner Haut bei Neurodermitis/Schuppenflechte Gutes tun kannst

Basispflege bei Schuppenflechte und Neurodermitis

Du siehst, dass du es mit zwei sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu tun hast. Jedoch hilft sowohl bei Schuppenflechte als auch bei Neurodermitis die Pflege mit einer feuchtigkeitsspendenden und juckreizstillenden Creme ohne reizende Zusätze wie Konservierungsmittel oder Duftstoffe, die Haut zu stabilisieren. 

Tipp: In akuten Phasen, aber auch in beschwerdefreien, zweimal täglich auftragen – nur dann profitiert deine Haut nachhaltig davon.

Person bereitet sich auf Dusche/Bad vor und liest Etikett von Shampoo

Weitere empfehlenswerte Inhaltsstoffe (Badezusätze, Shampoos, Cremes)

  • bei Neurodermitis:
    Harnstoff (Urea – nicht auf offenen Stellen), Glycerin, Laktate, Lipide, Omega-6-Fettsäuren
  • bei Schuppenflechte:
    Harnstoff (Urea), Milchsäure, Öle, Salicylsäure (an wenigen Tagen zur Ablösung starker Schuppen) 

Pflege-Tipp für beide Erkrankungen: Ist deine Haut sehr trocken, benötigt sie mehr Fett (vor allem im Winter) – also eher Salben. Cremes spenden mehr Feuchtigkeit, sind leichter und eignen sich für den Sommer. 

Sterile Kosmetik ist bei Hauterkrankungen ein Pluspunkt: Sie kommt keimfrei aus der Verpackung und belastet deine Haut nicht mit Krankheitserregern. Vor dem Auftragen solltest du zusätzlich deine Hände waschen, aber das versteht sich eigentlich von selbst.

Achtsame Lebensweise

  1. Ernähre dich antientzündlich: viel (grünes) Gemüse, kein Alkohol, kein Nikotin, kein Schweinefleisch, wenig Zucker. Verzichte unbedingt auch aufs Rauchen!
  2. Vermeide Stress und erlerne einen besseren Umgang mit Krisen: Beide Erkrankungen werden von Stress getriggert. Sorge für eine gute Work-Life-Balance, plane genug Pausen in deinen Alltag ein. Mit autogenem Training, Yoga oder progressiver Muskelentspannung kannst du Techniken erlernen, die dich in fordernden Zeiten entspannen.
  3. Integriere UV-Schutz in deinen Alltag: Schütze deine erkrankte Haut vor übermäßiger Sonneneinstrahlung. Trage Sonnenschutz als erste Schicht vor der Basispflege auf – oder in akuten Phasen als zweite nach deiner ärztlich verschriebenen Wirkstoffcreme. Für den Fall, dass du dich doch mal länger im Freien aufhältst, solltest du ein Sonnenschutzprodukt in deiner Tasche oder in deinem Rucksack als Standardausrüstung dabei haben.Tipp: Sogenannte Medizinprodukte sind besonders auf deine erkrankte Haut abgestimmt.

Wie werden Neurodermitis und Schuppenflechte behandelt?

In beiden Fällen bestimmen die aktuellen Leitlinien, wie sich deine Hauterkrankung am besten behandeln lässt. Dein:e Dermatolog:in richtet sich dabei nach dem individuellen Zustand deiner Haut. Leichte Fälle werden in der Regel äußerlich behandelt, schwere Verläufe zusätzlich auch innerlich.

Leichte Form: Kortinsoncremes oder -salben 

  • bei Schuppenflechte kombiniert mit Vitamin-D-Präparaten
  • bei Neurodermitis alternativ: Calcineurin-Inhibitoren

Schwere Form: Immunsuppressiva, Biologika, Photosoletherpaie

  • bei Schuppenflechte Retinoide mit UV-Therapie

Fazit: Gib deiner erkrankten Haut, was sie braucht – Pflege und Achtsamkeit

Hier hast du erfahren, dass hinter Juckreiz und schuppiger Haut zwei sehr unterschiedliche Erkrankungen stecken können. Mit ärztlicher Therapie ist dir geholfen. Aber das ist längst nicht alles. Du selbst kann so viel für eine Verbesserung deiner Beschwerden tun: vor allem mit einer gewissenhaften Basispflege und einem achtsamen Lebensstil.

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