Neurodermitis-Ursachen

Die Empfindsamkeit deiner Haut ist angeboren – aber du bist ihr nicht ausgeliefert

30.04.2021
Lesedauer: 4 Min.

Wenn du die Diagnose Neurodermitis hörst, klingt das für dich vielleicht zunächst erschreckend. Eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und nicht heilbar ist. Doch was heißt das eigentlich? Für immer trockene, schuppige und gerötete Haut und dann dieser Juckreiz? Wir möchten dir Mut machen: An den genetisch bedingten Neurodermitis-Ursachen ist nicht zu rütteln, aber auf viele Auslöser deiner Hautbeschwerden kannst du Einfluss nehmen. Wenn es deiner Haut zeitweise nicht gut geht, hat das nämlich Gründe. Finde mit uns gemeinsam heraus, wie du deine Symptome schnell lindern und langfristig in Schach halten kannst. Bedeutsam ist dabei die passende Pflege, die du konsequent verwenden solltest – aber auch ein ausgewogener und achtsamer Lebensstil. Lass uns schauen, wie du gleich heute noch beginnen kannst, deiner Haut jeden Tag mehr Stabilität zu geben.

Die 3 wichtigsten Neurodermitis-Ursachen

Neurodermitis verläuft in Schüben: Eine Zeitlang ist deine Haut trocken, aber nicht akut entzündet. Während eines Schubs ist sie gerötet, schuppig, sie nässt vielleicht und juckt stark. Wie genau die Hauterkrankung entsteht, hat die Wissenschaft noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass auch genetische Faktoren beteiligt sind: Wenn eines deiner Elternteile auch an Neurodermitis leidet, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 20 bis 40 Prozent, dass auch du erkrankst. Die weiteren Neurodermitis-Ursachen sind äußerst komplex. Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass das Risiko zu erkranken erhöht ist und dass die Erkrankung tatsächlich ausbricht: 

  1. Angeborener Defekt der Hautbarriere: Eine gesunde Haut schützt den Körper vor Bakterien und Schadstoffen. Mit Neurodermitis geht eine gestörte Hautbarriere einher, die deine Haut trockener und anfälliger macht. 
  2. Fehlbesiedlung deiner Haut: Die Hautflora beherbergt eine Vielfalt an nützlichen Bakterien. Bei Neurodermitis-Patient:innen ist sie aus der Balance geraten. Forscher:innen fanden heraus, dass der Keim Staphylococcus aureus akute Schübe in außergewöhnlich hoher Anzahl begleitet: Je stärker das Ekzem, desto stärker fällt die Fehlbesiedlung mit dem Bakterium aus.
  3. Überschießendes Immunsystem: Eigentlich wird das Immunsystem aktiv, wenn Krankheitserreger eindringen. Doch deines ist überempfindlich und lässt deine Haut auf eigentlich harmlose Stoffe reagieren. Häufig leiden Neurodermitis-Betroffene auch unter Allergien.

Welche Neurodermitis-Auslöser begünstigen einen Schub?

Für einen Schub sind bei einer Neurodermitis Auslöser verantwortlich, die du vielleicht noch gar nicht identifiziert hast. Diese Neurodermitis-Trigger können von außen kommen – wie zum Beispiel Temperaturunterschiede, unpassende Kosmetika und Allergene wie Pollen. Viele sind hingegen innerlicher Natur. Wenn dein Alltag aus dem Takt geraten ist, du viel Stress hast und dich nicht ausgewogen ernährst, kann sich dein Lebensstil ebenfalls auf deinen Hautzustand auswirken. Welche Trigger bei dir aktiv sind, ist möglicherweise gar nicht so einfach herauszufinden. Ärztliche Untersuchungen wie ein Allergietest und ein Symptom-Tagebuch können dir dabei helfen.

Infografik, die verschiedene Auslöser für Neurodermitis aufzeigt

Die häufigsten Neurodermitis-Auslöser – und wie du sie meidest

Wir möchten dir Impulse mitgeben, wie du die häufigsten Neurodermitis-Trigger meiden kannst. Bitte beachte aber, dass die Ursachen höchst individuell sind. Einen Versuch ist es aber allemal wert!

  • Tierhaare: Leider hilft bei einer Tierhaar-Allergie nur, den Kontakt mit den Tieren zu vermeiden. Ein eigenes Haustier muss dir aber nicht verwehrt bleiben – es gibt allergikerfreundliche Hunde- und Katzenzüchtungen. Auch Vögel kannst du halten.
  • Hausstaubmilben: Wischbare Böden und spezielle Allergiker-Bettwäsche helfen, die Milbenbelastung zu reduzieren. Verzichte außerdem auf offene Regale, schwere Vorhänge und Teppiche. 
  • Nahrungsmittel: Meide Weizen, Kuh- und Kuhmilchprodukte, Zitrusfrüchte, Schweinefleisch, Eier, Nüsse und Erdnüsse, scharfe Gewürze, Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee. Mit einer Auslassdiät kannst du schrittweise bestimmte Nahrungsmittel wieder einführen und deine Hautreaktion beobachten. Führe dafür am besten ein eigenes Ernährungstagebuch.
  • Kratzattacken: Wenn du mit Kratzen auf den Juckreiz reagierst, kann sich dein Hautzustand verschlechtern. Trainiere dir alternative Handlungsweisen an – kratze beispielsweise einen Gegenstand, streichle oder knete deine Haut oder kühle sie mit einer Kühlkompresse.
  • Pflege: Vermeide unpassende Pflegeprodukte zur Behandlung deiner Haut und wechsle deine Kosmetiklinie nicht zu oft. Deine Basispflege sollte auf möglichst wenige Inhaltsstoffe reduziert, pH-neutral und frei von Konservierungsmitteln und Duftstoffen sein. 
  • Kleidung: Trage Kleidung, die deine Haut nicht reizt. Beispielsweise weiche feingewebte Baumwolle statt Wolle und möglichst nahtlos verarbeitete Kleidungsstücke. 
  • Hitzestau und Schweiß: Ausgewogene klimatische Verhältnisse verhelfen deiner Haut zu Stabilität. Sorge dafür, dass du angemessen und luftig gekleidet bist. Denn auch Schweiß reizt deine Haut. 
  • Stress: Sorge für kleine Auszeiten im Alltag, die dich entspannen. Spazierengehen, wandern, laufen oder Yoga eignen sich gut. Wenn du ständig unter Strom stehst, können dir Techniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation dabei helfen, dich zu entspannen.
  • Innere Konflikte: Sag nicht zu allem „Ja“, sondern bemühe dich um Abgrenzung. Viele Betroffene neigen dazu, es anderen immer recht machen zu wollen. Halte solche psychischen Belastungen so gut es geht von dir fern.
Frau hat einen gesunden Snack in der Hand

Kann ich Neurodermitis-Ursachen ausschalten und der Hauterkrankung vorbeugen?

Bist du familiär vorbelastet und möchtest Neurodermitis vorbeugen? Dann empfehlen wir dir einen gesunden Lebensstil. Vollwertige Ernährung, so wenig Stress wie möglich, genug Schlaf – und eine Pflege, die deine Haut im Gleichgewicht hält. Eine Garantie, kein Ekzem zu entwickeln, gibt es leider trotzdem nicht. 

Bist du selbst oder dein:e Partner:in an Neurodermitis erkrankt und möchtest dich für deine Kinder über Prophylaxe-Möglichkeiten informieren, haben wir hier einige wertvolle Infos für dich:

  • Dein Baby sollte möglichst mindestens vier Monate lang voll gestillt werden.
  • Wird dein Kind nicht oder nur teilweise gestillt, füttere hypoallergene Milch (zu).
  • Creme dein Baby morgens uns abends mit einer pH-neutralen Feuchtigkeitspflege ohne Zusätze ein – in Studien traten dank der konsequenten, früh durchgeführten Pflege bis zu 50 Prozent weniger Neurodermitisfälle auf.
  • Schaffe (sofern dein Kind keine Tierhaarallergie hat) ein Haustier an: Studien zeigen, dass bestimmte Tiere wie Vögel, Hunde und spezielle hypoallergene Züchtungen (z. B. von Katzen) seltener eine Neurodermitis-Ursache darstellen, sondern das Risiko sogar senken können. Informiere dich hier vor der Anschaffung aber ganz genau zu deinem persönlichen Neurodermitis-Risiko (bzw. dem Risiko deiner Kinder) bezüglich der jeweiligen Rasse. Gerade bei Kindern sollte immer auf Nummer sicher gegangen werden. Am besten eignet sich hierzu ein ärztlicher Allergietest.

Kann Neurodermitis Ursache von psychischen Erkrankungen sein?

Psychische Faktoren gelten als Neurodermitis-Trigger, können gleichermaßen aber auch die Folge der Hauterkrankung sein. Du hast es vielleicht dank eigener Erfahrungswerte schon geahnt: Es besteht eine Wechselwirkung. Deine Symptome wie der Juckreiz und Entzündungen kehren regelmäßig wieder. Oft geht die Erkrankung daher mit einem negativen Erwartungsdruck einer. Die innere Spannung ist möglicherweise unter anderem dafür verantwortlich, dass die entzündlichen Hautveränderungen länger aufrecht erhalten bleiben. Außerdem kann Neurodermitis Ursache für soziale Ängste sein: Viele Betroffene fühlen sich durch die Reaktionen der Umwelt auf ihre Haut verunsichert. Vielleicht wurdest du auch schon zurückgewiesen, von Menschen, die wenig über Neurodermitis wissen und die Hauterkrankung irrtümlich für ansteckend halten. Wenn du bemerkst, dass du dich von deinen Freund:innen und deiner Familie zurückziehst und dein Selbstwertgefühl leidet, solltest du dir professionellen Rat suchen. 

3 Tipps für ein stärkeres Selbstwertgefühl

1
Sei nicht so streng mit dir

Betrachte dich so, wie gute Freund:innen es tun würden, nämlich nachsichtig und zugewandt. Was dir an dir selbst negativ auffällt, bemerken andere wahrscheinlich gar nicht.

2
Verinnerliche deine Stärken

Überlege dir, was du gut kannst und stelle dir Situationen vor, in denen du diese Stärken bereits gezeigt hast – denke positiv von dir, und das so oft wie möglich.

3
Entdecke dein inneres Strahlen

Auch wenn Neurodermitis-Ekzeme deine Haut manchmal optisch beeinträchtigen – lächle, und zwar auch mit den Augen, und nimm Haltung an. Auf eine positive Ausstrahlung erhältst du positive Rückmeldungen. Win-win!

Frau mit Neurodermitis lächelt sich im Spiegel an

Fazit: Erkenne deine persönlichen Neurodermitis-Ursachen und heble sie aus

Wir haben uns gemeinsam auf die Entdeckungsreise gemacht, welche Neurodermitis-Auslöser häufig für die Erkrankung selbst oder einzelne Schübe verantwortlich sein können. Sie alle stehen auf körperlicher und psychischer Ebene in Verbindung. Richte daher einen ganzheitlichen Blick darauf, was dir gut tut und stärke dich mit einer positiven Körper- und Geisteshaltung.

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